LOSUNG DES TAGES

Fällt euch Reichtum zu, so hängt euer Herz nicht daran.

Psalm 62,11

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„... Wir geh´n hinauf nach Jerusalem in leidender Liebe Zeiten und sehen, wie einer für alle stirbt, um uns einen Platz zu bereiten.“ (EG 545) Gott, ach, mein Gott, vor dir will ich ablegen, was mir viel zu schwer zum Tragen ist; in dein Ohr will ich legen, was sonst kein Gehör findet; mich in deinen Schoß betten und endlich zuhause sein, mich in deine Liebe hüllen wie in eine weiche, warme Kamelhaardecke – weil du im Stall warst, ..."

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  Brief von Pfrin Kathrin Fuchs
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Leitsätze

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Kontakt

gemeindebuero

 

 

Nach mehr als 14 Jahren in Bergen-Enkheim, werde ich am 1. April 2021 in den Ruhestand versetzt.
Ich werde mit meiner Frau nach Kassel ziehen, wo wir schon eine kleine Wohnung gemietet haben.


Durch die Pandemie und die Kontaktbeschränkungen wird es zu den herzlichen Begegnungen des Abschieds nicht kommen. Das bedaure ich sehr. 


Im Rückblick auf die letzten anderthalb Jahrzehnte sehe ich in der Kirchengemeinde viele Neuerungen und Veränderungen.
Allein der Personalschlüssel hat sich in diesen Jahren mehr als halbiert. Die Gebäude hatten und haben einen immensen Renovierungsbedarf; mit der Sanierung der Laurentiuskirche und dem Berger Kirchturm haben wir zwei große Projekte bewältigt, die mehr als 1,5 Million Euro gekostet haben. Wir sind gut vorangekommen und haben trotz allem Krisengerede und rückläufigen Haushaltsmitteln einen soliden Stand.


Denn in der Bilanz einer Kirchengemeinde und eines scheidenden Pfarrers zählen nicht die Gebäude, zählen nicht die Finanzen. Es sind die Beziehungen, die zählen, die gelebte Gemeinschaft, die Freundschaften, das gemeinsam Unterwegssein und immer wieder feststellen, dass wir etwas bewegen können, weil wir uns als Gemeinde Jesu Christi verstehen.


Und dann denke ich zurück an meinen ersten Konfirmandenjahrgang und dann an alle, die danach kamen. Freundschaften sind gewachsen. Die Evangelische Jugend ist für mich ein generationenübergreifendes Projekt geworden, dass vor allem durch Nähe, Zuneigung und Verständnis, aber eben auch durch den Auftrag Jesu Christi, das Wort in die Gemeinde zu bringen, so liebevoll gewachsen ist.


Ich denke namentlich an Margit Janz, Irmtraud Drescher, Erika Hassenpflug und Erika Lux, mit denen mich die Arbeit mit den Frauen und Senioren unserer Gemeinde verband, und damit natürlich an die Teams, die dazugehören, um eine gute Arbeit zu machen. Wir hatten so viele schöne Stunden miteinander. Wir haben gesungen und gelacht, wir waren nachdenklich und haben getrauert, wir haben den Tageslosungen gelauscht und die Nähe Gottes gespürt.
Ich denke auch an Horst Emmel, Bernd Weinrich, Robert Westenberger, Kurt Kempf, Manfred Völker und Konrad Seiboth, die mit ihren Kompetenzen oft unbemerkt und im Hintergrund den Vorstand bei allem rund um das Bauen beraten haben. Unsere Begehungen und Beratungen hatten immer etwas Besonderes, Wertschätzendes und waren voller Humor. Voller Dankbarkeit und Respekt verabschiede ich mich auch von den Handwerkern vor Ort, die mich mit meinen Wünschen und Aufträgen verstanden haben und von denen ich viel gelernt habe.


Gern denke ich an die Arbeit mit dem Kirchenvorstand. Nach anfänglichen Schwierigkeiten im Umgang und in der Kommunikation sind wir richtig gut geworden: sachorientiert, zielstrebig und in kollegialer Verantwortung. Sicher haben die wachsenden Freundschaften dazu beigetragen, die Freiheit von der Selbstüberschätzung dankend anzunehmen.
Wie oft war ich in den Häusern und Familien, um Taufen, Trauungen und Beerdigungen zu besprechen, um Lebensläufen und Beziehungen auf die Spur zu kommen, den Menschen unseres Ortes und ihrer Geschichte ein Gesicht zu geben, zu trauern und sich zu freuen. Wie oft standen wir auf dem Friedhof – und hatten nichts als uns und das tröstende göttliche Wort.


Und dann denke ich natürlich an den großen Kreis der ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Besuchsdienst, beim Vorbereiter der großen Feste, die wir gefeiert haben – an die, die Kuchen und Salate vorbereitet haben und ohne viel Federlesens zugepackt haben, wo helfende Hände nötig waren. Wir haben schöne, lebendige Feste gefeiert – Gemeindefeste von und für Jung und Alt.


Und jetzt heißt es Abschiednehmen von den Gottesdiensten, den Klängen der Kantorei und des Posaunenchors, der Gemeinde, die sich sonntags versammelt, um gemeinsam zu singen, zu beten und dem Wort Gottes zu vertrauen. Ein Kreis von Freunden, die mir lieb und wert geworden sind und die ich vermissen werde. Und da denke ich nicht nur an die Freunde aus dem Väterstammtisch. Aber besonders an Euch, mit denen ich so gern gegessen, getrunken und über Gott und die Welt geredet habe.


Dreizehneinhalb Jahre war ich geschäftsführender Pfarrer. Das ist zugegebener Maßen eine lange Zeit. Die zu bewältigenden Aufgaben waren nicht immer einfach. Ich habe viel Zeit in Verwaltungsarbeit, in Vorstandsarbeit, Gebäudemanagement und Personalführung investiert. Aber es war im Rückblick ein gut angelegte Zeit. Im Großen und Ganzen hat mir die Geschäftsführung Freude gemacht. Organisieren und Verwalten passen wohl zu mir. Allein hätte ich diese Arbeit allerdings nie geschafft. Mit Günter Nicke und Michael Glaser hatte ich zwei Vorstandsvorsitzende, die mich unterstützt haben und mit den ich gern zusammengearbeitet habe. Und Anna Kneipp hat mir als Gemeindesekretärin viel Arbeit abgenommen und das Gemeindebüro zum Informationszentrum und Aushängeschild der Gemeinde ausgebaut. Manchen guten Rat habe ich von ihr erhalten. Präzise, humorvoll, kompetent und mit einem guten Ohr für die Zwischentöne hat sie meine geschäftsführenden Tätigkeiten unterstützt und in den gemeindlichen Alltag übertragen. Danke, Anna.


Ich denke an die hauptamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unserer Gemeinde, mit denen es für mich gut war, zusammen zu denken, zu planen und zu gestalten – Birgit Wess, Ute Gerhold-Roller, Gaby Wieser, Lena Bergmann, Wolfgang Runkel, Don Mayer und Francesca Costanza. Ich denke an das gute Miteinander und die guten Früchte der gemeinsamen Arbeit und sage Danke. Vielen Dank Euch allen.


Etwas ganz Besonderes war für mich die Zusammenarbeit mit meinen beiden Kolleginnen, Pfarrerin Kathrin Fuchs und Pfarrerin Karola Wehmeier. Als ich vor fast 15 Jahren herausgefordert war, mich auf eine Pfarrstelle zu bewerben, da wollte ich nach fast 12 Jahren in der Militärseelsorge nicht mehr allein arbeiten. Ich wollte in ein Team, wollte im Miteinander einen neuen Weg ausprobieren. Ich habe es als ein großes Geschenk empfunden, dass ich in Bergen-Enkheim Teil eines guten Teams wurde. Nicht gleich zu Beginn, aber relativ bald.


Was haben wir nicht gemeinsam auf den Weg gebracht? Wie gut war die Zusammenarbeit und das gegenseitige Vertrauen. Wie verlässlich die Absprachen. Wie nahe sind wir uns persönlich und in unserer Arbeit. Um der Sache willen haben wir miteinander gerungen, haben unsere Standpunkte überprüft und Entscheidungen getroffen. Wir haben miteinander gefeiert und dem Segen Gottes Raum gegeben.


Ich danke Euch für alles! Denn wenn ich jetzt zurückblicke und eine ganz kleine erste Bilanz ziehe, dann war Vieles, was wir geschafft haben, gut und nachhaltig. Es gab Manches, das uns nicht gelungen ist, es gab auch Missverständnisse und Verletzungen. Wie sollte es anders sein. Aber das Gute und Wertvolle ist Ergebnis eines guten Teamworks.
Es sind die Menschen in ihren Leidenschaften, die eine Gemeinde machen, es sind die Erinnerungen an die unzähligen und vielfältigen Begegnungen und Beziehungen, die bleiben.


Ich danke Gott für meine Leidenschaften und seine Wegbegleitung in meiner Zeit in Bergen-Enkheim.

 

 

Bild: Copyright René Rathke-Pingel